Tropicália, Marisa Monte

1. Mai 2009

Der argentinischen Journalistin Violeta Weinschelbaum, Jahrgang 1973, gelang es, zwischen 1998 und 2005 all die brasilianischen Musiker zu interviewen, die einem einfallen, wenn man an Tropicalismo und die Folgen denkt. Sie traf diejenigen, die zwischen 1960 und jetzt viel Bewegung in die Musica Popular gebracht haben. Die besondere Qualität von Estação Brasil, Conversas com Músicos Brasileiros (S.P.2006) ist, dass hier freundschaftliche Gespräche zusammengefasst sind, die einem Persönliches und Hintergründe einer sehr brasilianischen Bewegung erschliessen. In mehreren Etappen werde ich hier ein paar Ausschnitte übersetzen oder zusammenfassen.

Im Oktober 2004 traf Violeta in Rio Marisa Monte. Marisa, 1967 geboren, brachte mit 20 eine Platte auf den Markt, die für die Zeit ungewöhnlich war. Rock und Musica Popular schienen grad in zwei Richtungen zu gehen. Von dieser ersten Veröffentlichung bis heute ist für sie kennzeichnend, dass sie entspannt die verschiedensten Stile zusammenwachsen lässt.  Es schien seltsam, dass ein Mädchen in dem Alter Kurt Weill, Maria Callas, Gershwin, Candeia und Arnaldo Antunes hört. (…) Ich lasse es einfach geschehen, lasse einen Raum, damit es mit Leichtigkeit passiert, auf dass das Leben schön ist, dass die Musik zum Teil eines schönen Lebens wird. (p.146)

Marisa hatte als Kind Klavier und Schlagzeug gespielt und bekam mit 14 Gesangsunterricht. Mit 16 studierte sie Operngesang in Italien. Von dort, von der anderen Seite, entdeckte sie ihre wahre Sehnsucht zur brasilianischen Musik. Die gemeinsame Arbeit mit Arnaldo Antunes und Carlinhos Brown als Gruppe Tribalistas brachte seit Mitte der 90er einen neuen Schub in die Musica Popular, die Single Ja sei namorar war auch international ein Erfolg. In verschiedenen Stilen gleichzeitig zu leben ist ihre Art, und sie sieht darin überhaupt eine sehr eigen brasilianische Art. Wir haben eine sehr vielfältige Kultur, nicht nur in der Musik: in der Religion, in der Küche, überhaupt in der Vermischung der Völker. (p.145)

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