Samba: 100 %, Marisa Monte

31. Dezember 2009

Blick zurück: Seit Anfang der 90er Jahre läuft der Erfolg, Arto Lindsay produziert und ist die Brücke zur experimentellen Musik New Yorks, die Individualisten Arnaldo Antunes und Carlinhos Brown sind treue Freunde und bei Bedarf immer da, Sterne wie Cézar Mendes, Pupilo, Pedro Baby, Carlos Malta, Jaques Morelenbaum, Paulinho da Viola, Daniel Jobim und David Byrne, um einige zu nennen, finden sich ein, und vor allem: die unbestechliche Stimme und Musikalität von Marisa!

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Selbst das sehr süß geratene Amor, I love You! (Memories…, 2000) tat dem keinen Abbruch, war es doch zu schön: Hoje contei as paredes coisas do meu coração… (Heute erzählte ich den Wänden Dinge meines Herzens…) Von Ya sei namorar (Tribalistas, 2003) war hier schon die Rede. 2006 lief in den Radios Infinito particular (Unendlich privat), Lied von der gleichnamigen Platte (2006). Hier nun zu Universo ao meu redor (Die Welt um mich herum), auch von 2006.

Marisas Vater war in den 70er Jahren künstlerischer Leiter der traditionsreichen Sambaschule Portela (Rio de Janeiro). Sie wuchs mit dem Samba auf, kehrte dann 1999 zurück, um mit der Alten Garde von Portela eine Platte zu produzieren, merkte dabei, dass viel nur mündlich überliefertes Material im Hintergrund war, das zu verschwinden drohte. Sie holte einige alte Stücke hervor und mischte sie mit neuen Kompositionen zu diesem Cocktail von

Universo ao meu redor.

Sie schreibt, dass es ihr dabei, mehr als um den Samba selbst, um die Atmosphäre ging, die den Samba umgibt, um die Hauptthemen Liebe, Natur, Musik selbst, das menschliche Dasein, das Singen der Vögel, unsere Innenhöfe, gemeinsam gelebtes Leben in der Kunst… (aus den liner-notes) Sechs der Neukompositionen sind von dem bewährten Gespann Antunes/Brown/Monte, so (1) der Titelsong und (2) das oft gespielte Bonde do Dom: …Ich arbeite als Sambista und kann mich nicht beschweren, ich singe weiter, nur um Dich zu berühren…Es ist der Zug der Begabung, der mich führt, die Engel, die mich tragen, die Autos, die mich umgeben, die Heiligen, die mich beschützen…Das Wasser des Meeres trinkt mich, der Durst nach Dir bleibt. (Eigene Übersetzung)

Jeweils ein Stück haben David Byrne (8), Paulinho da Viola (9) und Adriana Calcanhotto (10) beigetragen, fünf sind aus dem Fundus von Portela, entstanden zwischen 1945 und 1980. Produziert haben Marisa und Mario Caldato, Arto Lindsay hat sich darauf beschränkt, die Texte ins Englische zu übertragen. Es sind keine spektakulären Lieder, sie fließen wie klares, glitzerndes Wasser vorbei. Man lehnt sich zurück und genießt.

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Am Schluss Pétalas esquecidas von D.Yvonne Lara und Teresa Batista (1945); letzter Vers: Heute bleiben von der schönen Rose nur vergessene Blütenblätter, Es war meine erste Liebe, die in meinem Leben aufkreuzte, Und die Rose verwelken ließ, ich fühlte soviel Schmerz, Es starb meine erste Liebe. (Eigene Übersetzung) Brahms kann es nur deshalb noch trauriger (Der graue Nebel tropft so still…), weil es bei uns einen Spätherbst gibt.

(Siehe auch das hier besprochene Interview mit Marisa Monte)

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