Mehr von Jobim und Moraes

20. April 2009

Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Tom Jobim (Musik) und Vinícus de Moraes (Text), dauerte nur wenige Jahre. Jobim ging 1964, mit dem Beginn der Militärdiktatur, nach Nordamerika. Die Jazzer hatten ein offenes Ohr für den Bossa Nova und umgekehrt. Die gemeinsamen Stücke von Jobim und Moraes wurden jedoch fast durchweg zu Klassikern. Hier ist noch einmal der Ort, um auf die Texte zu schauen. Zunächst der poetisch so gelungene Ausdruck für das klassische Thema der Liebe gegenüber den Mitmenschen und der Verehrung gegenüber der Stadt, in der man lebt, in Ela é Carioca.

Ela é carioca, ela é carioca
Basta o jeitinho dela andar
Nem niguém tem carinho assim
Para dar
Eu vejo na cor dos seus olhos
As noites do Rio ao luar
Vejo a mesma luz
Vejo o mesmo céu
Vejo o mesmo mar
Ela é meu amor
Só me vê a mim
A mim que vivi para encontrar
Na luz do seu olhar
A  paz que sonhei
Só sei que sou louco por ela
E pra mim ela é linda demais
E além do mais ela é carioca.

(Sie ist eine Carioca, eine Carioca (ein Mädchen aus Rio), man muss nur sehen, wie sie geht, und niemand hat soviel Zärtlichkeit zu geben. Ich sehe in der Farbe ihrer Augen, die Nächte von Rio leuchten, sehe dasselbe Licht, denselben Himmel, dasselbe Meer. Sie ist meine Liebe, sie sieht nur mich, mich, der gelebt hat, um im Glanz ihres Blickes den erträumten Frieden zu finden. Ich weiss nur, dass ich verrückt nach ihr bin, und für mich ist sie zu schön, und zu all dem ist sie eine Carioca.)

Die Gemeinsamkeit von Leidenschaft, Sehnsucht und Schmerz im portugiesischen Fado und im argentinischen Tango wurde schon zum Dissertationsthema. Die Musica Popular steht dem nicht nach. Hier ein paar Zeilen aus Água de Beber.

A minha casa vive aberta
Abri todas as portas do coração
Eu sempre tive uma certeza
Que só me deu desilusão
É que o amor é uma tristeza
Muita mágoa demais
Para um coração

(Mein Haus ist offen, ich habe alle Türen meines Herzens geöffnet. Ich hatte immer eine Sicherheit, die mir nur Enttäuschung gebracht hat, die Liebe ist eine traurige Sache, zu viel Leid für ein einzelnes Herz.)

Die Dialektik von Freude und Traurigkeit ist ein allgemein menschliches Thema. Und dennoch scheint es hier, in der brasilianischen Seele, in beide Richtungen heftiger auszuschlagen. Hier Ausschnitte aus A Felicidade.

Tristeza não tem fim
Felicidade sim
A felicidade é como a gota
De orvalho numa pétala de flor
Brilha tranquila depois de leve oscila
E cai como uma lágrima de amor
(…)
A felicidade é como a pluma
Que o vento vai levando pelo ar
Voa tão leve mas tem a vida breve
Precisa que haja vento sem parar
(…)
A felicidade é uma coisa boa
E tão delicada também
Tem flores e amores de todas as cores
E ninhos de passarinhos
Tudo de bom ela tem
E é por ela ser assim tão delicada
Que eu trato sempre dela muito bem

(Die Traurigkeit ist endlos, das Glück nicht. Das Glück ist wie ein Tautropfen auf einem Blütenblatt, glänzt ruhig, zittert dann leicht, und fällt wie eine Träne der Liebe. (…) Das Glück ist wie eine Feder, die der Wind in die Luft trägt, fliegt so leicht, aber hat ein kurzes Leben, braucht den ständigen Wind. (…) Das Glück ist eine gute Sache, aber auch so heikel, mit Blumen und Liebe in allen Farben, und Vogelnestern, alles Schöne hat es, und weil es also so zart ist, werde ich es immer sehr gut behandeln.)

Bis dahin! Ich werde auf die Welt der brasilianischen Liedtexte zurückkommen. Die Übersetzungen sind von mir.




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