Himmel auf Erden: Céu

5. Dezember 2009

Aus ihrem schönen katholischen Vornamen Maria do Céu – Maria vom Himmel (Familiennamen: Whitaker Poças) blieb für den Bühnenauftritt das Céu stehen, und so heißt auch ihre erste CD (2005). Kleines Label, Urban Jungle Records, den großen hat sie einen Korb gegeben, und mit Beto Villares doch ein erfahrener Musiker und Produzent. Der Erfolg kam schnell. 2006 Grammy-Nominierung, 2007 international in den Listen der Meistverkauftesten und 2008 Preis der Deutschen Schallplattenkritik. 2009 dann mit Vagorosa die Nachfolge. Sie führt aktuell die Weltmusikcharts an.

1980 geboren, in einer Musikerfamilie aufgewachsen, in São Paulos künstlerisch-beschaulichem Stadtteil Vila Madalena, wurde sie mit dem ernsten Musikfundus Brasiliens sozialisiert, Villa-Lobos, Ernesto Nazaré … Sie ging jung nach New York, trat in Kontakt mit Jazz und Hip Hop, kam zurück und probierte die Gratwanderung zwischen Tradition und Trend. Das ist für Brasilien nicht neu, es kommt drauf an, wie man es ausfüllt.

Ihr Gesang weist auf ein feines Gefühl für Farbe und Rhythmik. Er spielt deutlich die Hauptrolle. Gleich danach kommen Drums und Percussion, sie legen einen kräftigen Teppich, auf dem sich ihre gesungenen Geschichten ausbreiten. Auf dem Cover von Céu bedankt sie sich für die musikalische Ausbildung bei ihren Eltern, und zwar vor allem für die schönen Geschichten, die man ihr erzählt hat. Gitarre und Bass spielen die dezente Rolle, die sie bei Samba und Bossa Nova spielen sollen. Bläser malen den Rahmen. DjMarco scratcht elektrische Akzente.

Concrete Jungle

In der Eröffnung von Céu spielt sie mit der Legende vom Frosch und vom Prinzen. Dass 12/8 gemeint ist stellt die Rhythmussektion im einminütigen Vorspann deutlich fest. Nr. 15, der Schluss, ist ein neuer, lebendiger Samba und so, wie ein Samba sein muss. Nr. 5, Rainha, lässt sich als Homage an afrikanisches Highlife verstehen. Es folgen feingewebte Balladen (Nr. 7 ist Dorival gewidmet) und (mit Ave Cruz) wieder überzeugende Rhythmik. Bemerkenswert auch die Neuauflage von Bob Marleys Concrete Jungle von 1973, sie stellt den Reggaecharakter in den Hintergrund und zeigt, was in der Melodie steckt.

9Ucover

Ansonsten vor allem eigene Texte und Kompositionen, die zusammen mit Beto Villares oder Alec Haiat entstanden sind. Eine Gastrolle als Gitarrist spielt Antônio Pinto, erfolgreicher Komponist für Filmmusik (z.B. Cidade de Deus – City of God). Dazu gibt es auf dem Cover die nette Geschichte, dass sie zu New Yorker Zeiten den mittellosen Antônio in ihre Wohnung aufnimmt und sie feststellen, dass sie entfernte Verwandte sind.

Vagarosa

Der Titel der neuen CD, Vagarosa, fordert die Langsamkeit (siehe Roberta Sá, Devagar oder Lenine, Paciência). Céu wirkt relaxt und verspielt. Sie hat die Erfahrungen der vergangenen Jahre eingebracht, ist nicht nur um die Welt getourt, sondern auch Mutter geworden. Musikalisch brodelt es unter der Oberfläche kräftig, stilistisch wandert sie munter zwischen Dub, Reggae, Samba und Lounge. Sterne der brasilianischen Musikszene helfen ihr dabei, so z.B. Pupillo und Dengue von Nação Zumbi. Gute Arbeit, liebe Maria do Céu, wir freuen uns auf mehr!

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