Expresso 25, Eindrücke

19. Januar 2010

Mozart-Saal in Stuttgart, Liederhalle am 16. Januar: Die 500 Besucher hatten viel erwartet und noch mehr bekommen. Der Begriff Gesamtkunstwerk war angebracht (in Brasilien ist er noch nicht so oft benutzt worden). Der Klang wurde nicht nur durch Farbe, Bewegung und Schauspiel ergänzt, er hatte in sich eine nicht oft gehörte Geschlossenheit. Die Harmonien waren immer wieder fremd und unerwartet, schwer zu singen, und doch wurden sie glasklar transportiert. Brasilianische Nähe der Künstler zueinander, wer sie kennt, weiss was gemeint ist, ansonsten aus unserer Sicht schwer zu beschreiben (sozialer Fluss?), freilassende und doch sichere Leitung von Pablo Trindade.

Die Rhythmussektion, Drums, Percussion, Piano, Bass, Marimba, sicher und brasilianisch überzeugend, durchsetzungsstark, und dennoch, positiv, in zweiter Reihe stehend. Nach 90 Minuten lückenlos ineinander übergehender Inszenierung von Stücken der Musica Popular kommen die Sänger in den Saal und bedanken und verabschieden sich bei den Zuhörern einzeln. Anregende Gespräche finden statt.

(Unser Stuttgarter Chor Encanto trifft sich mit ihnen hinterher. Es mag gewagt sein, dass wir ihnen ihre eigenen Hits der 2006-CD vorsingen, aber es gelingt dank der positiven und Sicherheit gebenden Haltung der Gäste. Dass sie am Schluss mit einstimmen, sorgt für einen satten Sound.)

Johannes Kärcher sprach die Begrüßung und übergab am Eingang selbst die Programme, in denen er einfühlsam und treffend die Texte der Lieder ins Deutsche übertragen hatte. Eine Kostprobe:

Jack soul brasileiro

von Lenine (oder: Jackson do Pandeiros brasilianische Seele)

Wo ich doch Brasilianer bin
Und der Sound des Pandeiro
Treffsicher ist und Richtung  hat
Da ich schon in diesen Ring gestiegen bin
Und das Land des Swings
Das Land der Widersprüche ist…

Singe ich für den König der Anhöhe
Im Zweiertakt der Embolada
In der Sprache der Perkussion
Der Tanz trügerischer Hexenmeister
Der Hüftschwung des Mamolengo-Puppentheaters
Zauber dieser Nation…

Wer war’s?
Der den Samba zu Boden gehen ließ?
Wer war’s?
Der die Kokosnuss Samba tanzen ließ?
Wer war’s?
Der den Nandu so schön stöhnen ließ?
Wer war’s?
Der aus der Kokosnuss einen Häuptlingsschmuck machte?
Wer war’s?
Der einen Hohlraum in seiner Stadt zurückließ?
Wer war’s?
Der aus der Kröte
Eine Seesängerin machte? …

(…)

Ich tu nur dann Bebop in meinen Samba,
Wenn Onkel Sam zum Tamburin greift
Wenn er nach dem Pandeiro und nach der großen Trommel langt
Wenn er begreift, dass der Samba nicht die Rumba ist.

Dann werde ich Miami mit Copacabana vermengen
Kaugummi misch ich mit Banane
Und mein Samba, mein Samba wird so werden…

(Hier ein Link zum Original von Lenine)

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