Die Tochter: Bebel Gilberto

28. Dezember 2009

Hat Bebel anfangs noch damit kokettiert, so berühmte Eltern zu haben, so baut sie längst auf ihre eigene Stimme, und auf ihre Beziehungen. 1966 in New York geboren, Vater João Gilberto (hier besprochen), Bossa-Nova-Legende, und Mutter Miúcha, Sängerin und Schwester von Chico Buarque. Die vier wichtigsten CDs sind Tanto Tempo (2000), Bebel Gilberto (2004), Momento (2007) und All in One (2009). Die Stimme geht nahe und ihre Musikalität ist bezaubernd. Sie beschreibt, wie sie mit dem Gitarrenspiel des Vater eingeschlafen und aufgewacht ist. Die Entspanntheit, die man vom Gesang und vom Spiel des Vaters kennt, hat auch sie – dabei ist sie aber immer an der Grenze, diese Note überzustrapazieren.

Die Melancholie, bei der man nie so genau weiss, wie echt sie ist, passt natürlich gut zu Musik und Text von Samba da Benção (auf Tanto Tempo, Orig. Vinicius de Moraes und Baden Powell): É melhor ser alegre que ser triste… Es ist besser fröhlich als traurig zu sein, Freude ist die beste Sache, die es gibt, sie ist wie das Licht im Herzen. Aber um einen guten Samba zu machen braucht es ein Stück Traurigkeit. Man braucht ein Stück Traurigkeit, nein, sonst wird es kein Samba. So der Anfang. (Eigene Übersetzung)  Summer Samba (von der gleichen CD) wirkt allein durch seine Bekanntheit. Hier hat man eine große Auswahl an anderen Interpreten, um zu vergleichen. Man könnte z.B. die Aufnahme von Astrud Gilberto von 1967 daneben hören (João Gilbertos erste Frau, mit Stan Getz machte sie Girl from Ipanema bekannt).

NY, London, Salvador, Rio

So ihre bevorzugten Produktionsorte. Seit 1991 wohnte sie wieder in New York, dann in London, traf sich mit David Byrne und Arto Lindsay. Die Orte stehen aber auch stellvertretend für die ilustre Auswahl an Musikern, mit denen sie sich umgibt und die ihrer Musik die rechte Würze geben. Auf Bebel Gilberto hat sie vorwiegend selbst komponiert, der englische Erfolgskomponist und Produzent Marius de Vries hat ihr beim Arrangement geholfen, hat produziert und mitunter selbst in die Tasten gegriffen. Carlinhos Brown hat bei 03 Aganjú und 11 Jabuticaba komponiert und auch instrumental seine unverkennbare Sprache mitgegeben. Marcos Suzanao ist wieder mit Pandeiro und weiterer Perkussion dabei. Dazu kommen so sympatische Exzentriker wie Pedro Baby oder der Argentinier Didi Gutman (siehe auch seine New Yorker Art-Dance-Band Brazilian Girls; es ist nur ein girl dabei und die ist nicht Brasilianerin).

Auf  Momento und All in One setzt sie die Arbeit mit Gutman und Carlinhos Brown fort, bringt aber auch mit der Gruppe Forró in the dark (hier besprochen) Stimmung des Nordostens ein. Cole Porters Night and day erklingt im Bossa-Nova-Rhythmus ( Momento),  zu Bim Bom aus der Feder ihres Vaters holt sie sich Jobims Enkel Daniel als Gast (All in One), lässt auch, nach einem Besuch in Jamaika, Reggae-Duft einziehen. Ihre Texte sind in englisch oder portugiesisch. Kurz: Sie mischt gern und hat viele gute Freunde.

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