Dicionário Musical Brasileiro

4. April 2010

Stuttgart: Geht man in der Württembergischen Landesbibliothek die breite Treppe hoch, rechts durch die Glastür, durchquert den Lesesaal, steigt nach zwei weiteren Glastüren die Treppen so weit es geht abwärts, verfolgt einen schmalen Kellergang mit Rechtsknick bis zum Ende, tritt man, hier im hintersten Winkel des Hauses, in den Musiklesesaal. Holt man aus dem zweiten Regal Marios Dicionário  und setzt sich an den vordersten Arbeitstisch, so öffnet sich vor einem, unvermutet, eine Glasfront und man hat sattes Grün und das blühende Leben der Stuttgarter Fußgängerszene zwischen Staatsgalerie/Musikhochschule und Stadt-/Musikbücherei vor sich. Trotz der anregenden und an dieser Stelle unvermuteten Kulisse öffne ich Marios musikwissenschaftliche Sammlung und finde ungehobene Schätze, von denen ich einige präsentieren möchte.

Mario de Andrade, Pianist mit Lehrauftrag am Konservatorium für Dramatische Kunst und Musik in São Paulo, wurde spätestens mit der Semana de Arte Moderna von 1922 tragende Kraft der brasilianischen Moderne, weltweit bekannt dann mit dem 1926 geschriebenen Roman Macunaíma. Gleichzeitig blieb er unermüdlicher Sammler von Musikgut aus allen Teilen des Landes. Es kam auch zu einigen Veröffentlichungen, wie dem Ensaio sobre a Música Brasileira (1928) und dem Compêndio de História da Música (1930). Sein riesiges Archiv als Wörterbuch herauszugeben schwebte ihm zwar vor, aber erst lange nach seinem Tode (1945) realisierten Freunde und Schüler von ihm dieses Vorhaben. Intensive Arbeit leisteten Oneyda Alvarenga von 1982 bis ’84 und Flávia Camargo Toni von 1984 bis ’89 (Erscheinungsjahr).

Beiträge der nächsten Wochen mit der Kennzeichnung Dicionário haben dieses (in der Stuttgarter Landesbibliothek noch recht unbenutzte) Buch als Quelle und gehen Fragen nach wie: Was gibt es außer dem Forró noch für Tänze zu entdecken? und Hat der Fado seinen Ursprung vielleicht in Brasilien und nicht in Portugal? Und anderen mehr!

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