Cool’n’bass: Fernanda Porto

7. November 2009

Hier ein süßes Stückchen zum Anlocken: Giramundo, Titelsong von der 2004-CD. Tanzend dreht sich die Welt und mit offenem Herzen bleibt keiner allein (De coração aberto, hoje ninguem fica sozinho).
Ihr Start in die Welt der CD beginnt quasi im Alleingang. Sie bedankt sich auf Fernanda Porto von 2002 zwar mit einer langen Liste bei Freunden und Helfern, produziert, komponiert und arrangiert aber selbst, textet einen großen Teil, singt und spielt allein, Piano, Sax, Gitarre und programmiert alles. Sie hat früh angefangen, trat in den 90igern schon in Erscheinung, ging dann nach London und wurde von da an die brasilianische Vertreterin des Drum’n’bass. Es kommt auf dieser CD so unterkühlt daher, dass man es mindestens zehn mal hören muss, um das Eis zu schmelzen. Dann aber lässt es einen nicht mehr los. Verschlüsselte Texte über bürgerliche Enge, das mit dem Rücken zur Welt gedreht sein, über brüchige Moral im vertrauten Dorf: Deine Phrasen von unerträglicher Schönheit, in dieser Dunkelheit, die immer kommt und die ich gläubig erwarte (06 Vilarejo íntimo).

Bei aller Distanz bleibt Fernanda aber ausdrücklich Brasilianerin, sucht die Tradition und findet den Kontakt zu ihren Leuten, auch wenn sie Tom Jobims Só tinha de ser com você ihren strengen Duktus verpasst und Roda Viva von Chico Buarque, und im Duett mit ihm, von den Drums getrieben kaum wiederzuerkennen ist. Auf Giramundo umgibt sie sich mit einer ganzen Gruppe von Musikern und ist sogar offen für einen Reggae (De Graça). Auch auf der Live-CD von 2006 steht sie inmitten der Band. Bei Baque Virado von 2002 ist der Percussionist noch sowas wie folkloristische Beigabe, hier nun ist die ganze Fülle da. Es geht um Missverständnisse von Leuten aus São Paulo, die ihr Land und die Quellen ihrer Musik nicht kennen. Não é um samba, samba, samba, não… Ouço batuques e maracatus na TV, Que país é esse que a gente nunca vê? (Nein, es ist kein Samba, nein…Ich höre Trommeln und Maracatus im Fernsehen, was ist das für ein Land, das wir noch nie gesehen haben?)

fernandaporto

Mit Auto-Retrato (Selbstporträt) von 2009 kehrt Fernanda wieder zu sich zurück, macht fast alles selbst, und DJ Zé Pedro ist stolz auf sie, holt alle Begriffe, die dem Electro Ehre machen: Nu Jazz, Break Beat, Down Tempo, Progressive House. Resumée: Fernanda, wir lieben Dich! Misch die Traditionen ein bischen auf!

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