Bei Viehdieben und Mördern

9. September 2012

Bom dia Sertão! klingt es aus dem Radio, 6.30 Uhr im Bus von Várzea da Roça nach Capim Grosso, Gesichter und Hüte aus Leder, eine Musik, die aus dem ländlichen Portugal stammen könnte (noch ein Beispiel), vielleicht Tras os Montes, dabei herbe Würze der Indios und Puls aus Afrika (hier etwas neuerer Sound, sogenannter Sertanejo Universitário). Hinter uns liegt die Endlosigkeit dieses Landes, Tage ohne Sonntag, Höhen und Tiefen spielen sich innerhalb von Minuten in einem selbst ab. Die großen Rinderherden werden inzwischen auf dem Lastwagen transportiert, Reiter und Gesetzlosigkeit sind geblieben. Nein, nicht Gesetzlosigkeit, sondern eigene Gesetze, mit Schießerei, Trauerzug und gleich drauf wieder strahlendem Lachen in den Gesichtern der Kinder.

Das bei der Feijoada angestimmte Menino da Porteira ist bekannt und wird kräftig mitgesungen. Der spontane Chor der Väter versucht sich mit dem Luar do Sertão. Die diffuse Erscheinung, eintöniger Text und nicht greifbare Melodie, bekommt (hier bei Maria Bethânia) erzählenden Charme.

Im Dunkeln auf dem Weg zum Laden, besser gesagt, zu dem Verschlag an der Ecke, noch eine Dose Bier zu holen, aufmerksam, um nicht in einem der Schlammlöcher zu versinken: das vorbeigehende sechsjährige Mädchen mit den leuchtenden Augen und der weiten Geste zum Himmel: A lua é uma beleza, né! Der Mond ist doch wunderschön! Ist er wirklich!

Ein Stück dieser Widersprüche des Grande Sertão (Guimarães Rosa) nehmen wir mit, ob wir wollen oder nicht!

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